Prostatarechner
An dieser Stelle haben wir einige Kalkulationsinstrumente für die Prostata bereitgestellt. Diese Rechner helfen das Risiko auf das Vorliegen eines Prostatakarzinoms bzw. auf die Progression (das Fortschreiten) eines Prostatakarzinoms einzuschätzen. Diese Rechner geben nur Hinweise und ersetzen nicht die fachliche Beratung durch einen spezialisierten Arzt.
Inhalt
PSA-Quotient
Der PSA-Wert, wurde von der FDA (Food and Drug Administration) in den USA bereits 1994 als Screening-Test für das Prostatakarzinom zugelassen (Catalona WJ, Smith DS, Ratliff TL, Dodds KM, Coplen DE, Yuan JJ, et al. Measurement of prostate-specific antigen in serum as a screening test for prostate cancer. N Engl J Med 1991;324:1156e61; Catalona WJ, Richie JP, Ahmann FR, Hudson MA, Scardino PT, Flanigan RC, et al. Comparison of digital rectal examination and serum prostate specific antigen in the early detection of prostate cancer: results of a multicenter clinical trial of 6,630 men. J Urol 1994;151:1283e90). Relativ schnell zeigten sich die bis heute bestehenden Probleme hinsichtlich der Sensitivität und insbesondere Spezifität des PSA- Wertes. Daher wurden sogenannte PSA-Derivate ersonnen und untersucht, welche die Sensitivität und Spezifität des PSA-Wertes in der Screening-Untersuchung für das Prostatakarzinom verbessern sollten. Eines dieser Derivate ist der PSA-Quotient (Catalona WJ, Partin AW, Slawin KM, Brawer MK, Flanigan RC, Patel A, et al. Use of the percentage of free prostate-specific antigen to enhance differentiation of prostate cancer from benign prostatic disease: a prospective multicenter clinical trial. J Am Med Assoc 1998;279).
Es gibt unterschiedliche Varianten des PSA-Wertes. In der urologischen Routine werden zumeist das „gesamt PSA“ (PSAg) und das „freie PSA“ (PSAf) bestimmt. Zum besseren Verständnis muss man wissen, dass das PSA-Eiweiß die Tendenz hat sich im Blut an andere Eiweiße zu binden. Der gesamt PSA-Test misst alle PSA-Moleküle die im Blut vorhanden sind – an andere Eiweiße gebunden oder nicht. Der freie PSA-Test misst ausschließlich PSA- Moleküle, welche nicht an andere Eiweiße gebunden sind.
Der PSA-Quotient errechnet sich durch die Teilung des freine-PSA durch den Gesamt-PSA. Beispielrechnung:
Gesamt-PSA = 5,15 ng/ml
Freier-PSA = 0,54 ng/ml
0,54 / 5,15 = 0.10 ist der PSA-Quotient.
PSA-Dichte
Die PSA-Dichte ist ein weiteres PSA-Derivat, welches dem Zusammenhang zwischen der Höhe des PSA-Wertes und der Größe der Prostata Rechnung tragen soll. Es ist allgemein bekannt, dass die Prostata ab etwa dem 45 Lebensjahr ein Größenwachstum aufweist. Mit diesem Größenwachstum geht auch eine Erhöhung des PSA-Wertes einher. Diese Erkenntnis hat zu der Erstellung unterschiedlichen PSA-Derivaten geführt. Beispielsweise wurden altersabhängige PSA-Normwerte definiert, welche der mit zunehmendem Alter zumeist vergrößerten Prostata gerecht werden sollten.
Da es jedoch auch Männer gibt, bei denen die Prostata kaum wächst, stellt die PSA-Dichte ein individuelleres Instrument zur Einschätzung des PSA-Wertes in Zusammenhang mit dem Prostatavolumen dar. Dabei soll das Prostatavolumen per transrektalem Ultraschall (TRUS) bestimmt werden (heute auch gut per MRT möglich) und durch die den aktuellen PSA-Wert geteilt werden. Rechenbeispiel:
Prostatavolumen = 39 cm3
PSA = 5,72 ng/ml
5,72 / 39 = 0,146 ng/ml/cm3 ist die PSA-Dichte der Prostata.
Der Wert wird in ng-PSA/ml-Serum/cm3-Prostatavolumen dargestellt. Wie oben bereits beschrieben kommt bei der Volumenberechnung der Prostata zumeist die Standardform des Ellipsoiden zum Einsatz (siehe hierzu auch 1.4 Prostatavolumen Berechnung).
Die Interpretation der PSA-Density sollte dem Spezialisten vorbehalten bleiben. In den meisten Untersuchungen wird eine PSA-Dichte 0,15 ng/ml/cm3 als Cutoff benutzt. Bei höheren Werten steigt das Risiko für das Vorliegen eines Prostatakarzinoms an.
Veneziano S, Pavlica P, Querze ́R, Nanni G, Lalanne MG, Vecchi F. Correlation between prostate-specific antigen and prostate volume, evaluated by transrectal ultrasonography: usefulness in diagnosis of prostate cancer. Eur Urol 1990;18: 112e6; Benson MC, Whang IS, Pantuck A, Ring K, Kaplan SA, Olsson CA, et al. Prostate specific antigen density: a means of distinguishing benign prostatic hypertrophy and prostate cancer. J Urol 1992;147:815e6.
PSA-Anstiegsgeschwindigkeit und PSA-Verdopplungszeit (PSA-Kinetik)
Die PSA-Anstiegsgeschwindigkeit und die PSA-Verdopplungszeit sind PSA-Derivate, welche die Veränderung des PSA-Wertes über die Zeit (longitudinal) betrachten – zusammengefaßt werden diese Derivate unter dem Begriff der PSA-Kinetik. Ausgehend von der Überlegung, dass das Wachstum von Tumorzellen in der Prostata durch eine schnellere PSA-Progression als das normale Zellwachstum repräsentiert wird, wurden diese kinetischen Instrumente initiiert. Problematisch an dieser simplifizierten Sicht ist jedoch, dass es zum einen unterschiedlich schnell wachsende Prostatakarzinome gibt und zum anderen zahlreiche andere Einflußfaktoren für einen PSA-Anstieg bekannt sind. Um diesen Problemen gerecht zu werden, wurden über die Jahre zahlreiche unterschiedliche Methoden der Berechnung der PSA-Kinetik ersonnen. In einer Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2012 wurde bereits von mehr als 20 unterschiedlichen Methoden zu Bestimmung der PSA-Anstiegsgeschwindigkeit und PSA-Verdopplungszeit berichtet (Vickers AJ, Brewster SF. PSA Velocity and Doubling Time in Diagnosis and Prognosis of Prostate Cancer. Br J Med Surg Urol. 2012 Jul 1;5(4):162-168). Es ist nachvollziehbar, dass diese unterschiedlichen Methoden – angewendet auf einen individuellen Patienten – zu sehr unterschiedlichen Werten für die PSA-Kinetik führen. So wird in der Arbeit von einem Patienten berichtet, der basierend auf unterschiedlichen Berechnungsmethoden PSA-Anstiegsgeschwindigkeiten von 0,27, 0,76, 1,47, 2,64 und 32,0 ng/ml/Jahr zeigte. Die Vielzahl von unterschiedlichen Berechnungsmethoden mit unterschiedlichen Ergebnissen reduziert die Bedeutung dieser PSA-Derivate für die klinische Einschätzung und verlangt die Beurteilung im Kontext anderer Befunde durch den Spezialisten. Jedoch denken wir, dass die Suche nach einem signifikanten Prostatakarzinom einem Puzzle gleicht, welches aus vielen Teilen zusammengesetzt wird. Daher haben wir hier einen häufig angewendeten Rechner für die PSA-Kinetik verlinkt.
Die Interpretation der errechneten Werte sollte aus den oben genannten Gründen dem Spezialisten übertragen werden. Die Ergebnisse ersetzen keinesfalls den Rat des Arztes.
Kalkulator für das Risiko bei der erstmalig durchgeführten Biopsie ein Prostatakarzinom zu finden
Dieser Kalkulator errechnet das Risiko bei einer ersten Biopsie ein Karzinom der Prostata bzw. ein signifikantes Karzinom der Prostata zu finden. Hierfür benötigt der Kalkulator folgende Eingaben:
- Ergebnis der Tastuntersuchung der Prostata – normal/nicht normal
- Lebensalter in Jahren
- Anzahl der Stanzen, die entnommen werden sollen – in der Regel 10 bis 12
- Prostatakrebs in der Familiengeschichte – ja/nein
- Letzter Anteil des freien PSA in % – errechnet sich PSA-frei/PSA-gesamt*100
- Letzter gesamt PSA-Wert in ng/ml
- Rasse – Afrikaner, Asiat, Kaukasier
- IPSS Symptom Score – zur Ermittlung verwenden Sie bitte diesen Rechner – Ergebnis in Punkten
- Prostatagröße in Gramm
Der Kalkulator wurde basierend auf den Befunden von über 3.000 Männern (davon 400 mit normalen PSA-Werten) erstellt (Nam RK, Toi A, Klotz LH, Trachtenberg J, Jewett MA, Appu S, Loblaw DA, Sugar L, Narod SA, Kattan MW. Assessing individual risk for prostate cancer. J Clin Oncol. 2007 Aug 20;25(24):3582-8). Der Rechner ist in seiner Risikoabschätzung genauer als der PSA-Wert in Verbindung mit dem Tastbefund der Prostata. Das Ergebnis des Kalkulators gibt das prozentuale Risiko für das Auffinden eines Prostatakarzinoms in der geplanten Erstbiopsie der Prostata an. Die Interpretation des Ergebnisses sollte dem erfahrenen Spezialisten vorbehalten bleiben. Das Ergebnis ersetzt keinesfalls den Rat eines Arztes.
Rechner zur Berechnung des Sterberisikos an dem festgestellten Karzinom, in Abhängigkeit von einer Behandlung
Dieser Test ist eine Kombination aus Fragen zu ihrer allgemeinen Gesundheit und Fragen zu dem aktuellen Status des bereits diagnostizierten, aber noch nicht behandelten Prostatakarzinoms.
Die ersten Fragen des Rechners beziehen sich auf Ihren allgemeinen Gesundheitszustand. Die Fragen im Einzelnen:
- Wurde Ihnen mal gesagt, dass Sie ein Herzproblem haben oder wurden Sie mal wegen einer Herzerkrankung wie z.B. Brustschmerz behandelt.
- Wurde bei Ihnen mal Asthma festgestellt?
- Wurde bei Ihnen mal eine Raucherlunge, obstruktive Lungenerkrankung oder ein Lungenemphysem festgestellt?
- Wurde bei Ihnen mal eine Erweiterung der großen Blutgefäße (Aneurysma) festgestellt?
- Wurde bei Ihnen mal eine Verengung oder ein Verschluß der peripheren Arterien festgestellt oder leiden Sie unter der sogenannten Schaufensterkrankheit?
- Hatten Sie mal eine Thrombose oder wurden mit Blutverdünnern behandelt?
- Hatten Sie mal eine Lungenembolie?
- Haben Sie mehr als 100 Zigaretten in ihrem Leben geraucht?
- Wie hoch ist Ihr Cholesterin Wert (in mg/dl)?
- Wie hoch ist Ihr HDL (gutes Cholesterin) in mg/dl?
- Wie hoch ist Ihr Blutdruck – der erste Wert?
- Wie hoch ist Ihr Blutdruck – der zweite Wert?
- Wurde bei Ihnen mal ein Diabetes mellitus festgestellt?
- Hatten Sie mal einen Mini-Schlaganfall (TIA) oder wurde dagegen mit Blutverdünnern behandelt?
- Hatten Sie mal einen Schlaganfall?
Dann schließen sich einige Fragen zu dem festgestellten Prostatakarzinom an. In der Regel können Sie diese Antworten aus dem Histologie-Bericht zu dem Prostatakarzinom entnehmen: - Wie alt sind sie?
- Welches war das T (Tumor) Stadium des Prostatakarzinoms?
- Wie ist das M (Metastasen) Stadium des Prostatakarzinoms?
- Wie ist das N (Lymphknoten) Stadium des Prostatakarzinoms?
- Wie ist der Gleason Score (Grade) des Prostatakarzinoms?
- Wie hoch ist der PSA-Wert?
Am Ende steht eine Einschätzung bezüglich des 10 und 15 Jahres Sterberisikos an dem Prostatakarzinom im Vergleich zum Sterberisiko aufgrund anderer Ursachen. Die Interpretation dieser Ergebnisse sollte dem Spezialisten überlassen werden. Die Nutzung eines derartigen Rechners ersetzt nicht die Beratung durch den Arzt.